Meditation – ein säkulares Gebet?

Früher hatten es die Menschen in Vielem schwerer. Manches war aber auch einfacher, zum Beispiel, an die Kontrolle durch eine übergeordnete Wesenheit zu glauben und sich in ein von einer allmächtigen Entität gelenktes Schicksal zu ergeben. Die feste Überzeugung, dass eine Vaterfigur schon die richtigen Entscheidungen trifft, machte es leicht, dorthin Bitten und Gebete zu richten und sich geborgen zu fühlen. Womöglich lässt sich so ein Gott auch auf einen Deal ein. In etwa „ich nehme eine entbehrungsreiche Pilgerfahrt auf mich, dafür mach du bitte meine Mutter gesund.“  Wo finden Menschen heutzutage Zuflucht in schwierigen Situationen, wenn die Vernunft den Glauben aus Kindertagen unterwandert und gute Argumente gegen die reale Existenz einer solchen Vaterfigur liefert? Sondern, wenn im Gegenteil das Leben selbst als etwas höchst Chaotisches, Unberechenbares erscheint und Kontrolle nur eine Illusion ist?

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Menschen können dann zum Beispiel Zuflucht und Geborgenheit bei sich selbst finden. In der Stille nach innen lauschen und gute Gefühle kultivieren, für sich und für andere. Die Meditationspraxis der „liebenden Güte“ hat ihre Ursprünge im Buddhismus, beeinhaltet aber keinerlei Glaubenssätze, sondern funktioniert eher wie ein säkulares Gebet, angeleitet von Heike Mayer, Achtsamkeits- und MBSR-Lehrerin.  (2 Min Einführung, 30 Min Hauptteil)

 

 

„Verschwende nie eine Krise“

…hat Winston Churchill mal gesagt. Gemeint hat er wohl, was auch Psycho-Expert*innen betonen: dass jede Krise ein sehr geeigneter Zeitpunkt ist, um ein paar große Schrauben zu drehen, innerlich. Als hätte man ein paar starke Scheinwerfer auf das eigene Innenleben gerichtet, so deutlich werden gerade die eigenen Verhaltensmuster und -strategien sichtbar und spürbar.

Auf dieser Seite, deren Inhalte in Vielem recht nah an der Idee der Sunday Assembly dran sind, finden sich interesante Texte zu anstrengenden Gefühlen und innerem Wachstum. https://ethik-heute.org/

„Bitte reagieren Sie mitfühlend!“

– So der Appell des bayerischen Ministerpräsidenten heute in seiner Regierungserklärung zur Corona-Krise. „Mitgefühl“. Die Bundeskanzlerin hat gestern in ihrer Fernsehansprache das Wort „Gemeinschaft“ sehr oft benutzt und sinngemäß dazu aufgefordert, vernünftig und mit freundlichem Herzen zu handeln. Vielleicht sollte man sich einen Merkzettel machen, mit all dem, was die innere Not in dieser un-normalen Situation so an Weisheit und Erkenntnis an die Oberfläche schickt:

Buche (?) im Landschaftspark Schloss Linderhof

wie wertvoll es ist, miteinander zu sein. Dass das Leben weit außerhalb der Komfortzone ungeahnte (schöne) Erfahrungen bietet und dass Sorgen in die Zukunft und Wehmut Richtung Vergangenheit erträglicher sind, wenn ich den gegenwärtigen Moment bewusst wahrnehme. Bäume sind tief verankert. Oben tobt der Sturm durch die Blätter, unten greifen die Wurzeln tief in die Erde und geben Halt. Man möchte ein Baum sein.

daily Assembly über die Stadt verteilt

Liebe Menschen, hier erfahrt ihr, wann wieder eine Sunday Assembly in München stattfinden kann. Bis dahin haben wir eine „good vibes“-Verabredung, jeden Abend um 19h50: die Frage stellen: was war heute schön/ok/hat Freude gemacht? Danach ein bis zwei Minuten innehalten, Augen schließen und dem Atem lauschen. Dann „lean on me“ anstimmen, am besten mit einem Karaoke-clip im Netz. Zu wissen, dass viele andere im gleichen Moment dasselbe tun, gibt vielleicht ein gutes Gefühl und stärkt ein bisschen die angegriffene Seele. Nächste Woche neues Lied. Welches, erfahrt ihr hier und über den newsletter. Und wenn man sich gerade nicht mehr umarmen sollte: Po-Bump geht eigentlich immer, jedenfalls oft. 🙂

Einatmen, ausatmen, ein, aus….

Es hilft tatsächlich zum Runterkommen, mal den Gedankenstrom kurz unterbrechen und dem eigenen Atem lauschen. Wenn dann das Ausatmen noch deutlich länger ist als das Einatmen, bekommt das Gehirn und der gesamte Organismus die Botschaft: „relax, hier ist gerade alles in Ordnung“. Auch hilfreich: Emotionen und die damit verbundenen Reaktionen im Körper bemerken und da-sein-lassen, so nach dem Motto „ah, meine Schultern sind hochgezogen“ oder „meine Kiefernmuskeln sind ja ganz schön angespannt, so fühlt sich Stress an…“ Wir sind es einfach nicht gewohnt, Unsicherheit auszuhalten bzw die Kontrolle zu verlieren. Dabei hatten wir sie ja nie… Was hilft noch: Kontakt mit anderen, wenn auch aus sicherer Distanz, Humor und Musik! Wenn du Lust hast, klinke dich ein in ein good-vibes-Experiment: jeden Abend um 19h50 singen sehr viele Menschen in München „Lean on me“, alle einzeln und doch zusammen. Weitere Lieder folgen, updates gibts über den Newsletter (siehe oben).  Bleib gesund und guten Mutes! Bis bald wieder richtig gemeinsam in der Seidlvilla.