Hoffnung, Zuversicht, Optimismus

Drei Begriffe, die drei unterschiedliche Haltungen beschreiben. Oder vielleicht besser gesagt, ähnliche Haltungen, unterlegt mit einem unterschiedlichen Grad an „Tun“, an „Aktion“. Die Hoffnung trägt in sich etwas sehr Verhaltenes, fast Passives. Hoffnung brauche ich, wenn ich selbst zum völligen Nichtstun gezwungen bin, mich ohnmächtig dem Tun anderer oder dem Schicksal ausgeliefert fühle. Dann hilft Hoffnung auf Besserung, die von außen kommt. Optimismus ist das, was Europäer oft als typisch amerikanisch bewundern und belächeln zugleich: Optimismus als Gewissheit, allein aus eigener Kraft alles zum Guten wenden zu können, die Überzeugung, dass ich den Gang der Dinge komplett selbst in der Hand habe und mich nur genug anstrengen muss, um ein Happy End fast schon zu erzwingen. Dem Optimismus – so definiert – fehlt etwas Wichtiges: die Bereitschaft zur Hingabe. Die besitzt die Hoffnung dafür im Übermaß und übersieht dabei die Kräfte, die ich selbst entfalten kann. Zuversicht ist für mich eine erstrebenswerte Mischung aus Beidem: selbst alles mir Mögliche zu tun, was vernünftig und hilfreich erscheint, ohne zu wissen, ob es am Ende auch reicht für das gewünschte Ziel. Weil Gelingen auch immer vom Glück oder besser: der Abwesenheit von Unglück abhängt. Unsicherheit aushalten und das Beste draus machen, wie schön, wenn das immer mal wieder gelingt.

Meditation – ein säkulares Gebet?

Früher hatten es die Menschen in Vielem schwerer. Manches war aber auch einfacher, zum Beispiel, an die Kontrolle durch eine übergeordnete Wesenheit zu glauben und sich in ein von einer allmächtigen Entität gelenktes Schicksal zu ergeben. Die feste Überzeugung, dass eine Vaterfigur schon die richtigen Entscheidungen trifft, machte es leicht, dorthin Bitten und Gebete zu richten und sich geborgen zu fühlen. Womöglich lässt sich so ein Gott auch auf einen Deal ein. In etwa „ich nehme eine entbehrungsreiche Pilgerfahrt auf mich, dafür mach du bitte meine Mutter gesund.“  Wo finden Menschen heutzutage Zuflucht in schwierigen Situationen, wenn die Vernunft den Glauben aus Kindertagen unterwandert und gute Argumente gegen die reale Existenz einer solchen Vaterfigur liefert? Sondern, wenn im Gegenteil das Leben selbst als etwas höchst Chaotisches, Unberechenbares erscheint und Kontrolle nur eine Illusion ist?

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Menschen können dann zum Beispiel Zuflucht und Geborgenheit bei sich selbst finden. In der Stille nach innen lauschen und gute Gefühle kultivieren, für sich und für andere. Die Meditationspraxis der „liebenden Güte“ hat ihre Ursprünge im Buddhismus, beeinhaltet aber keinerlei Glaubenssätze, sondern funktioniert eher wie ein säkulares Gebet, angeleitet von Heike Mayer, Achtsamkeits- und MBSR-Lehrerin.  (2 Min Einführung, 30 Min Hauptteil)

 

 

„Verschwende nie eine Krise“

…hat Winston Churchill mal gesagt. Gemeint hat er wohl, was auch Psycho-Expert*innen betonen: dass jede Krise ein sehr geeigneter Zeitpunkt ist, um ein paar große Schrauben zu drehen, innerlich. Als hätte man ein paar starke Scheinwerfer auf das eigene Innenleben gerichtet, so deutlich werden gerade die eigenen Verhaltensmuster und -strategien sichtbar und spürbar.

Auf dieser Seite, deren Inhalte in Vielem recht nah an der Idee der Sunday Assembly dran sind, finden sich interesante Texte zu anstrengenden Gefühlen und innerem Wachstum. https://ethik-heute.org/

„Bitte reagieren Sie mitfühlend!“

– So der Appell des bayerischen Ministerpräsidenten heute in seiner Regierungserklärung zur Corona-Krise. „Mitgefühl“. Die Bundeskanzlerin hat gestern in ihrer Fernsehansprache das Wort „Gemeinschaft“ sehr oft benutzt und sinngemäß dazu aufgefordert, vernünftig und mit freundlichem Herzen zu handeln. Vielleicht sollte man sich einen Merkzettel machen, mit all dem, was die innere Not in dieser un-normalen Situation so an Weisheit und Erkenntnis an die Oberfläche schickt:

Buche (?) im Landschaftspark Schloss Linderhof

wie wertvoll es ist, miteinander zu sein. Dass das Leben weit außerhalb der Komfortzone ungeahnte (schöne) Erfahrungen bietet und dass Sorgen in die Zukunft und Wehmut Richtung Vergangenheit erträglicher sind, wenn ich den gegenwärtigen Moment bewusst wahrnehme. Bäume sind tief verankert. Oben tobt der Sturm durch die Blätter, unten greifen die Wurzeln tief in die Erde und geben Halt. Man möchte ein Baum sein.